2. Abschnitt "Mosaike"


Mitte der 80er Jahre sind die unteren beiden der insgesamt vier Bauabschnitte weitgehend vollendet. Die End-70er-Generation wird eingeschult. Das Wohnungsbausystem WBS70 rationalisiert den Wohnungsbau und bietet eine schnelle, kosten- günstige Möglichkeit, in kurzer Zeit einen hohen Bedarf an qualitativ hochwertigen Wohnungen zu decken. Industrielle Fertigung und Massenproduktion schaffen hierfür die Grundlagen. Die daraus resultierende Kollektiverfahrung einer gleichen Wohnumgebung bis ins Wohnzimmer hinein schafft ein kollektives Bewusstsein und beschränkt Individualität. Beides entspricht den Grundvoraussetzungen eines kollektivierenden Gesellschaftssystems, wie es die DDR darstellte. Markierungen dieser Kollektiverfahrung sind die "Zeichen", die sich bei jedem identisch eingraben und durch Industrieprodukte einer vereinheitlichten Planwirtschaft repräsentiert werden. Dazu zählen Lichtschalter, Fenstergriffe, Tapetenmuster, Badfliesen, Fußböden, Kücheneinrichtungen, Balkonbrüstungen.
Die rechtwinkligen ästhetischen Strukturen ("Mosaike") weisen vom Großen der Anordnung der Häuserblocks über identische Grundrisse der Wohnungen bis in kleinste Details normierter Einrichtungsgegenstände.

"Der Mensch" erscheint in der Masse, als Teil einer Gemeinschaft.
Hierfür stehen: Hausgemeinschaften und gemeinsame Unternehmungen, z.B. im Partykeller/ Trockenraum, Anstehen in der Kaufhalle, für die Kinder die neue Gruppenerfahrung in Kinder- garten und Schule, bei Altstoffsammlungen. Anonymität ist eingeschränkt durch die große Anzahl der Menschen. Die Wohnungen sind hellhörig, Lüftungsschächte und Heizungsrohre bilden akkustische Netze, die sich Kinder zu nutze machen. Die Häuserblocks haben ein Innenleben und "Organe", die im Rohrkeller zusammenlaufen.

   










 
 
(c) 2006 Uta Hergert, Marcel Raabe